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Anna’s Kolumne: Der Eckensteher Nante im Nikolaiviertel

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Eckensteher gibt’s auch heute noch genug. An jeder Ecke kann man in Berlin einem begegnen, auch im Nikolaiviertel. Aber die haben nichts mehr mit dem alten „Eckensteher Nante“ gemeinsam und helfen nicht mehr beim Heimtragen schwerer Lasten oder Einkäufe, beim Wäscherollen oder Gepäcktransport.

Eigentlich gab es nur einen als Original, den „Eckensteher Nante“ des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts, der gern an den Ecken herumlungerte, in deren Nähe ne Kneipe, ne Destille oder ein Brantweinsladen stand. Er wartete auf die Berliner und Berlinerinnen, die schwer zu tragen hatten und half ihnen ihre Lasten, ihr Gepäck und ihre Einkäufe nachhause zu tragen, wofür er einen kleinen Obulus von 12 bis 15 Silbergroschen erhielt, der stande pede gleich versoffen wurde.

Den Eckensteher Nante gab es wirklich als Berliner Eigentümlichkeit. Diese Personen ersetzten Taxi und Telefon. Das Urbild des Berliner Originals, das der Schriftsteller und Dramaturg Karl Holtei für eine Aufführung des Königsstädtischen Theaters als Vorbild genommen hatte, hieß Ferdinand Strumpf und hatte die Registriernummer 22. Er soll regelmäßig vor der Destillation Eulner an der Ecke König- und Neue Friedrichstraße gestanden haben. Der Schauspieler Friedrich Beckmann war mit der Rolle des Eckenstehers Nante sehr erfolgreich. Er brachte gemeinsam mit dem Schriftsteller Adolf Glaßbrenner 1832 die Posse “Eckensteher Nante im Verhör“ auf die Bühne, die ein jahrelanges Erfolgsstück war.

Es soll im 19. Jahrhundert in Berlin 500 bis 600 Eckensteher gegeben haben. Das wurde dem Berliner Magistrat zu viel und zu bunt und Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Tätigkeit des Eckenstehers öffentlich anerkannt und er musste sich bei der Steuerbehörde registrieren lassen und bekam eine Steuernummer, die er auf einem weissen Metallschild auf einer schwarzen Armtuchbinde immer tragen musste, wenn er im „Dienst“ war. Dazu gehörte ein Erlaubnisschein des Berliner Polizeipräsidiums, den er mitzuführen hatte. Über den Schultern hing stets ein Tragegurt. Diese Hilfe diente zum Transport schwerer Gegenstände und Lasten. Für den Gepäcktransport von einem zum anderen Bahnhof benutzten sie auch Handwagen.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Eckensteher bedingt durch die Industrialisierung durch Transportfirmen ersetzt. Schade, dass es den Eckensteher in seiner Originalität heute nicht mehr gibt viele Berliner könnten ihn gut gebrauchen.


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