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Royaler Bärenduft im Nikolaiviertel: „Friedrich der Kleene“ und „Der Alte Fritz“

© Dr. Ursula Fellberg, Teddybären der Sammlung Fellberg repräsentieren den Preußenkönig Friedrich II., besser bekannt als „Der Alte Fritz“

 

Der Alte Fritz wohnte doch in Potsdam, im Schloss Sanssouci? Was hat dieser Monarch, der Preußenkönig Friedrich II., der mit soviel Licht und Schatten umgeben war, mit dem Nikolaiviertel zu tun? Kaum zu glauben, aber an fast jeder Ecke finden sich Spuren von Friedrich II.: Beginnen wir mit seinem Geburtsort: am 24. Januar 1712 ist er im Berliner Stadtschloss (1) geboren: „gleich um die Ecke“, wo jetzt das neue Stadtschloss wieder erbaut wird. 101 Kanonenschüsse haben damals jeden in Bärlin lebenden Bären aus dem Winterschlaf geholt. 28 Jahre später leistete er auf dem Balkon des Stadtschlosses seinen Königseid.

Bärenspuren vom Alten Fritz: vom Nikolaiviertel nach Sanssouci und zurück © Dr. Ursula Fellberg

 

Der König liebte Porzellan, gründete 1763 die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin und verlieh ihr mit dem blauen Zepter sein königliches Markenzeichen. Die Rezeptur des „weißen Goldes“ stammt vom Apothekergesellen Böttger aus dem Nikolaiviertel (2).

Auf der einen Seite war Friedrich II. der begabte Musiker, der das Querflötenspiel liebte und oft Konzerte gab. So hat er auch die Staatsoper Unter den Linden bauen lassen. Als Bauplatz wählte der König ein Festungsgelände in der Nähe des von ihm bewohnten Kronprinzenpalais. Er dichtete auch gern und umgab sich mit berühmten Künstlern der damaligen Zeit wie Voltaire und Gottfried Ephraim Lessing, der von 1752 – 1775 im Nikolaiviertel wohnte. Der Alte Fritz schmückte sich mit Sprüchen wie „Ein jeder soll nach seiner Façon selig werden“, was allerdings im Gegensatz zu Lessings Vorstellungen stand, der sich als Aufklärer sah.

In der Poststraße gibt es das Ephraim-Palais (3), dessen Geschichte ist mit dem Namensgeber Veitel Heine Ephraim verbunden ist. Als Museum gehört es heute zur Stiftung Stadtmuseum Berlin.

Ephraim hatte als vermögender Händler und Bankier Friedrich schon als Kronprinz Geld geliehen und sich dadurch dessen Wohlwollen gesichert. Später finanzierte er zu einem großen Teil die Feldzüge Friedrichs II.. Auf Befehl des Königs verringerte er die Qualität der Silbermünzen und übernahm – auch auf königliche Anordnung – die Verantwortung dafür. Die Bürger reagierten mit Spottversen: „Außen Silber, innen Zinn; außen Friedrich, innen Ephraim“, diese geringwertigen Münzen wurden Ephraimiten genannt.
Es ist also zu vermuten, dass der König des Öfteren mit seinem Hofstaat, auf jeden Fall aber mit seinen Hunden durch das Nikolaiviertel spazierte, um seine Günstlinge zu treffen.

Aber ein bäriges Leben sieht anders aus: nach vielen Jahren der Ausbildung oder besser des Drills im Stadtschloss Berlin und auf Schloss Rheinsberg lebte er als „Der Alte Fritz“ bis zum 17. August 1786 wie ein „Tanzbär“ auf Schloss Sanssouci „ohne Sorgen“ bei Potsdam (4). Seine Windhunde – die von der Figur her das genaue Gegenteil zu uns Bären sind – liebte er mehr als alles andere auf der Welt, doch erst 1991 wurde sein letzter Wunsch erfüllt und er wurde in Potsdam neben seinen geliebten Windhunden begraben.

Das monumentale Reiterstandbild Friedrichs in der historischen Mitte von Berlin am Ende des Lindenforums auf dem Mittelstreifen des Boulevards Unter den Linden (5) erinnert heute wieder an König Friedrich II. von Preußen.

Der Alte Fritz kaufte ständig Bücher, las sie auch alle und Sie können es ihm gleich tun: weitere Geschichten zum Alten Fritz in „ Bärige Monarchien“ – ein Buch über royale Leben und (Vor)Lieben von BärSönlichkeiten (ISBN: 978-3-7392-0177-1).

© Dr. Ursula Fellberg: Der Bär „Friedrich der Kleene“ wurde von Anna Dazumal zur Bärlinale 2012 geschaffen und gehört ebenso zur Sammlung Fellberg wie die Zinnsoldaten; das Foto zeigt Friedrich als Kind mit seiner Schwester Wilhelmine und ist aus einem Buch von 1895 von C. Röchling und R. Knötel

© Dr. Ursula Fellberg: Der Bär „Friedrich der Große – Der Alte Fritz“ ist zum 300. Geburtstag des Preußenkönigs von Hermann Coburg geschaffen worden und gehört ebenso zur Sammlung Fellberg wie die Porzellanfiguren und die bronzene Reiterstatue.

© Dr. Ursula Fellberg: Der Bär „Friedrich der Große – Der Alte Fritz“ ist zum 300. Geburtstag des Preußenkönigs von Hermann Coburg geschaffen worden und gehört ebenso zur Sammlung Fellberg wie die Porzellanfiguren und die bronzene Reiterstatue.


Teddybären und einige ihrer Freunde haben der Stadt Berlin und insbesondere dem Nikolaiviertel ein weiteres Denkmal gesetzt. Sie haben in Büchern und Vorträgen wichtige und herausragende Ereignisse – natürlich aus Bärensicht – historisch wahr, mit einem verschmitzten Lächeln beschrieben und liebevoll portraitiert. In dieser Kolumne werden künftig Alt-Berliner BärSönlichkeiten, bärige Monarchien und Repräsentanten/Erlebnisse aus dem Berliner Volk vorgestellt.

Die Gesamtwerke (Bücher/Artikel) können unter www.baerenzeit.com/shop/ erworben oder als Vorträge www.baerenzeit.com/vorträge/ gebucht werden; alle Teddybären werden von Bruno in www.baerenmuseum.com präsentiert und gehören zur Sammlung Fellberg.

Einige der BärSönlichkeiten haben ihre Heimat sogar im Nikolaiviertel. Die Teddybären der Serie „Alt-Berliner Originale“ sind z.B. Sonderanfertigungen und sie gibt es nur im Teddy’s Laden im Nikolaiviertel in der Propststrasse  gegenüber vom Gründungsbrunnen mit dem Bären. Ein Besuch lohnt sich. www.teddy-laden.de

Ein Kommentar zu Royaler Bärenduft im Nikolaiviertel: „Friedrich der Kleene“ und „Der Alte Fritz“

  1. Dieter Korte 3. März 2017 at 01:57 #

    Eine sehr nette Art, auf diesem Weg etwas mehr von Berlin und Umgebung zu erfahren!!!

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