Nikolaiviertel persönlich: Philipp Satzer und sein Gasthaus Julchen Hoppe
Traditionelle deutsche Küche in Berlin Mitte: Roulade, Kalbsleber & Co. – in der Rathausstraße gibt es die beliebten Klassiker und eine große Portion Leidenschaft
Wie sind Sie zum Kochen gekommen und wie ins Nikolaiviertel?
Ich habe erst eine KFZ-Mechatronikerausbildung angefangen, habe mich aber damit nicht wirklich wohlgefühlt und brauchte eine Planänderung. Gekocht hatte ich schon in meiner Schulzeit und das hat mir immer richtig gut gefallen. Ich habe mich dann hier im Nikolaiviertel bei Mutter Hoppe um einen Ausbildungsplatz zum Koch beworben. Nach der Ausbildung bin ich ein Jahr bei Mutter Hoppe geblieben und bin dann weitergezogen, erst in verschiedene Restaurants in Berlin und dann für vier Jahre in die Schweiz. Als ich dann 2017 zurück nach Berlin kam, habe ich durch Zufall mitbekommen, daß ausgerechnet dieser Laden hier zum Verkauf stand. Das Julchen Hoppe bestand ja damals schon für 15 Jahre. Ich habe dann kurz entschlossen einen Businessplan geschrieben und den Betrieb gekauft – da war ich 29.
Wie groß ist das „Team Julchen“ im Moment?
Es sind 13 Mitarbeiter, alles fest Angestellte. Es ist ein tolles Team, so dass ich nicht mehr so oft selbst am Herd stehen muss, sondern mich um „die Bürokratie“ kümmern kann. Apropos: wir hoffen alle, dass die Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie zum Jahreswechsel endlich kommt. Das würde uns sehr helfen und uns flexibler machen, auch um das Personal gut zu bezahlen. Und immerhin wollen wir auch immer ins Restaurant investieren und haben grad vor kurzem neue Stühle und Tische angeschafft, plus eine Spülmaschine und Kühlgeräte.
Egal, wo man hier im Laden hinschaut – es sieht überall anders aus…
Ja, wir haben drei verschiedene Bereiche oder Raumthemen: die „Gute Stube“, „Großmutters Küche“ und das „Fischerzimmer“. Die Leute lieben diese unterschiedlich dekorierten Bereiche.
Reden wir übers Essen: was sind die Favoriten auf Ihrer Speisekarte?
Schnitzel, Haxe, Kalbsleber, Rinderroulade – die Berliner Klassiker. Ich merke oft, daß viele Touristen unter anderem auch aus dem Grund nach Deutschland kommen, um diese Dinge zu probieren. Die wollen nicht Weltküche und Imbissessen. Nichts gegen Burger und Döner aber insbesondere Touristen aus Übersee sind neugierig auf deutsche Küche und wollen einfach mal die Haxe oder die Bulette probieren, von der sie zuhause gehört oder gelesen haben.
Klassiker statt Trend Food – gilt das eher für Touristen oder auch für die Berliner?
Sowohl als auch. Wenn ich privat unterwegs bin, höre von vielen „alten Berlinern“ dass es in der Stadt „ja gar keine traditionelle deutsche Küche mehr gibt“. Oder die Meinung, daß jedes Hauptgericht jetzt über 30 Euro kostet, was ja beides nicht stimmt. Dann stelle ich oft fest, daß die das Nikolaiviertel gar nicht kennen, was ich wirklich traurig finde. Dann gebe ich denen gerne den Tipp, uns hier mal zu besuchen – spätestens wenn der Hunger auf eine schöne Roulade kommt…
Man muss ja auch nicht das Rad neu erfinden…
Stimmt aber es gibt fast vergessene Gerichte, die man wiederentdecken kann. „Himmel und Erde“ zum Beispiel, was wir jetzt auf der Karte haben: gebratene Blutwurst und gebratene Leberwurst mit einem Kartoffel-Apfel-Stampf. Und das findet man wirklich selten. Oder wir kombinieren beliebte Dinge. Bei uns gibt es eine Kutscherplatte: Bockwurst, Knacker, Bulette alles auf einem Teller.
In Florida gibt es an jeder Ecke einen Seafood-Sampler mit verschiedenen Dingen drauf. Fisch, Shrimps, eine übergebackene Auster, unterschiedliche Dips…
Ja, das ist im Prinzip die Idee: verschiedene Berliner Klassiker auf einem Teller – einfach zu bestellen und toll zum Probieren.
Was viele mit deutscher Küche verbinden, ist ja auch die „ordentliche Portion“ oder?
Ja absolut und eine ehrliche, deftige Küche, frisch zubereitet mit hochwertigen Zutaten. Es geht einfach um ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und ich finde das stimmt bei mir und bei vielen Kollegen hier im Nikolaiviertel. Unser Schnitzel reicht bis zum Tellerrand und es gibt ordentlich Bratkartoffeln dazu. Oder unsere Haxe. Die wiegt ungefähr ein Kilo und kostet € 21,80 – also die Leute verhungern mir hier nicht.
Haben Sie Appetit auf die Berliner Klassiker? Das Gasthaus Julchen Hoppe finden Sie hier:
Rathausstraße 25 • 10178 Berlin
Website: julchenhoppe.de • E-Mail: julchen.hoppe@t-online.de • Telefon: (030) 97 00 57 87

